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Dr. Heinz Moser

Die Münzstätte Hall in Tirol im 15. und 16. Jahrhundert und ihre Beziehungen zu Spanien.

Tirol besaß seit dem 13. Jahrhundert eine eigene Münzstätte, die sich in Meran in Südtirol befand. Im Jahre 1477 wurde die Münzprägung in die Salinenstadt Hall in Nordtirol verlegt. Dafür gab es eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen Gründen. Der wichtigste war wohl die Entdeckung enormer Silbervorkommen bei Schwaz. Der landesfürstliche Ansitz Sparberegg wurde zunächst für 90 Jahre der Sitz der Münzstätte, dann wurde sie in die Burg Hasegg verlegt. Obwohl die Silbervorkommen in der Nähe von Schwaz entdeckt worden waren, hatte man sich für Hall als Standort der Münzprägung entschieden, weil Schwaz damals noch keine befestigte Stadt war. Schon in der Endphase der Meraner Münzstätte und in den ersten Jahren der Haller Münzstätte hatte man mit der Goldprägung experimentiert. Schon bald hatte man jedoch erkannt, daß eine Goldprägung angesichts der fehlenden Goldvorkommen auf Dauer unrentabel war. Die Goldarmut einerseits und der Silberreichtum andererseits führten das Tiroler Münzwesen zwangsläufig in eine andere Richtung. Der Schwerpunkt mußte auf der Prägung von Silbergeld liegen. Bis etwa 1480 prägte man in Hall Vierer und Kreuzer, daneben die unrentablen Goldgulden, die damals mit etwa 60 Kreuzern gleichzusetzen waren. Zwischen den kleinen Silbernominalen und dem Goldgulden klaffte eine große Lücke, die durch kein Nominale abgedeckt war.

Was lag also näher, als diese Lücke durch neue größere Silbermünzen aufzufüllen. Im Jahre 1482 begann deshalb eine großangelegte Münzreform: Der erste Schritt war die Prägung eine Münze im Wert von 12 Kreuzern, Pfundner genannt. Vorbild für die äußere Gestaltung dieser Münze waren die Lira Tron von Venedig bzw. der Testone von Mailand.

Gleichzeitig mit den Pfundnern gab man in Hall auch ein Halbstück des Pfundners im Wert von 6 Kreuzern aus. Diese Sechser entwickelten sich schlagartig zur beliebtesten Silbermünze. Unmittelbar nach ihrer Erstausgabe in Hall haben sie auch andere europäische Münzstätten nachgeahmt, so etwa Pfalz-Neuburg, Görz, Öttingen bzw. Salzburg.

Zwei Jahre nach dem Beginn der Sechser- und Pfundnerprägung erfolgte die Ausgabe einer Münze im Wert eines halben Gulden, also von 30 Kreuzern. Bei der Schaffung dieser neuen Münze bediente man sich oberitalienischer Hilfe. Bereits 1483 waren zwei Venezianer Goldschmiede nach Hall berufen worden. Eine von ihnen geschaffene Medaille diente als Vorbild für den ab 1484 geprägten Halbguldiner.

Die letzte Stufe der Tiroler Münzreform kündigte sich schon in den Versuchen an, mit den Halbguldinerstempeln Dickstücke im doppelten Gewicht, also im Wert eines Guldens zu 60 Kreuzern, zu prägen. Diese Versuche scheiterten aber am ungünstigen Verhältnis Durchmesser zu Dicke des Schrötlings. Der schließlich 1486 geprägte Guldiner hat als der erste Taler der Welt zu gelten. Mit dieser Münze im Wert von 60 Kreuzern hatte man ein ─quivalent zum Goldgulden. Und um zu dokumentieren, daß diese neue Münze, die zeitgenössisch Guldiner oder nach ihrem Gewicht Unzialis genannt wurde, die bisherigen Goldgulden ersetzen sollte, wählte man für die Vorderseite auch dieselbe äußere Gestaltung. Der Guldiner zeigte zunächst nur das vergrößerte Münzbild des Tiroler Goldgulden, erst später wurden noch Bindenschild und Turnierhelm beigefügt.

In rascher zeitlicher Abfolge von nur vier Jahren hatte man also neue Nominale im Werte von 6, 12, 30 und 60 Kreuzern geschaffen, von denen der Sechser kurzfristig der erfolgreichte, der Guldiner aber die bedeutendste Neuerung war. Er bildete nämlich ein ─quivalent sowohl zum Goldgulden, den er in der Folgezeit aus dem europäischen Zahlungsverkehr weitgehend verdrängen konnte, als auch zum Rechengulden. Damit hatte die Wirtschaft Europas am Beginn der Neuzeit endlich eine brauchbare Großsilbermünze, die es ermöglichte, die bisher im Zahlungsverkehr dominierenden Goldmünzen weitgehend zu verdrängen. Dies war deshalb von so eminenter Bedeutung, weil der Großteil Europas kaum über nennenswerte Goldvorkommen, dafür aber seit dem 15. Jahrhundert über verstärkt ausgebeutete Silberlagerstätten im Gebiet von Sachsen, vom heutigen Tschechien und von Tirol verfügte. Verstärkt wurde der Trend zur Silberwährung bzw. zur Silbergroßmünze nach der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert durch die Funde ergiebiger Silbervorkommen in Übersee. Tirol und seine Münzstätte Hall dürfen für sich in Anspruch nehmen, mit der Münzreform der Jahre 1482-1486 ein Währungssystem geschaffen zu haben, welches letztlich bis zum 19. Jahrhundert und dem Entstehen der Nationalwährungen bestimmend war. Unmittelbar nach der Reform wurde neben den Sechsern auch der Guldiner nachgeprägt, so beispielsweise 1488 in Lothringen, 1493 in Bern, 1498 in Sitten, 1499 in Ungarn, 1500 in Solothurn, 1502 in Hessen, 1503 im Piemont, 1504 in Salzburg, 1509 in Württemberg, 1511 in Bremen, 1512 in Zürich und 1518 in Luzern. Zum endgültigen Durchbruch verhalfen der Großsilbermünze die Münzstätten von Sachsen seit etwa 1500 und von Böhmen ab 1519, sowie nach der Entdeckung Amerikas auch Spanien. Im Laufe der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vollzogen dann allmählich alle europäischen Länder diese Entwicklung nach. Die Guldiner wurden in der Münzstätte Joachimstal in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in derart riesigen Mengen geprägt, daß sie bald volkstümlich Joachimstaler bzw. verkürzt Taler bezeichnet wurden. Im Wort Dollar lebt diese Bezeichnung noch heute fort.

Unter Kaiser Maximilian I. hatte in Hall die Prägung regulärer Münzen auf Grund seiner katastrophalen Wirtschaftspolitik fast völlig aufgehört. Dafür erreichte die Kunstfertigkeit der Münzgraveure im Rahmen von Schaugeprägen einen Höhepunkt. Die besten Graveure ihrer Zeit wurden nach Hall berufen und begründeten den ausgezeichneten internationalen Ruf bezüglich der künstlerischen Qualität. Zahlreiche europäische Herrscher wandten sich an die Münzstätte Hall, damit dort Taler mit ihrem Bild geprägt, zumindest aber Prägestempel für sie graviert würden. Zu diesen Herrschern gehörten Herzog Albrecht IV. von Bayern, die Erzbischöfe von Salzburg Leonhard von Keutschach und Mattheus Lang von Wellenburg, der Bischof von Trient Bernhard von Cles, der Graf Wolfgang von Montfort, der Adelige Sigmund von Dietrichstein und Gabriel von Salamanca, der aus Spanien stammende Finanzberater Kaiser Ferdinands I.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, die aus der Tatsache entstanden, daß jeder mit Münzprivilegien ausgestattete Reichsfürst nach eigenem Münzfuß prägen ließ und nur den eigenen Vorteil im Auge hatte, hatte Kaiser Ferdinand I. unmittelbar nach Regierungsübernahme an der Verwirklichung einer Reichsmünzordnung zu arbeiten begonnen. Erst nach jahrzehntelangen Verhandlungen, wobei der Münzmeister von Hall eine nicht unwichtige Rolle spielte, konnte 1551 die Reichsmünzordnung verwirklicht werden, die allerdings schon 1559 eine Neufassung erhielt.

Neben den gesetzliche Voraussetzungen für ein vernünftiges Währungssystem war zu dieser Zeit die Prägetechnik ein ebenfalls großes Problem. Seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts versuchte man die veraltete händische Hammerprägung durch eine maschinelle Prägung zu ersetzen. Die Notwendigkeit ergab sich auf Grund der großen Silbermengen in Europa und Übersee. Den ersten Anlauf zum Einsatz von Münzprägemaschinen in Hall kann man im Jahre 1550/1551 feststellen. Zu dieser Zeit hatten spanische Erfinder anläßlich des Reichstages ihre Prägemaschinen angeboten. Die besten Fachleute der Münzstätte Hall wurden nach Augsburg zur Begutachtung beordert, doch ihr Urteil muß vernichtend gewesen sein, denn in der Folgezeit hört man kein Wort mehr von der spanischen Erfindung.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist eine Affäre, die sich zur gleichen Zeit in Augsburg abspielte. Der Augsburger Erfinder Marx Schwob hatte eine wassergetriebene Prägemaschine entwickelt, die auf Vermittlung des französischen Gesandten nach Paris gelangte und dort in der Monnaie de Moulin aufgestellt wurde. Ein französischer Münzarbeiter kopierte das System, verkaufte es der englischen Krone und stellte seine Maschine in London auf. Da er sie aber nicht in Gang bringen konnte, wurde er wegen Betruges verurteilt und gehängt.

Ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so hartes Schicksal ereilte den Erfinder Kaspar Seller, der 1558 seine Prägemaschinen in Wien Kaiser Ferdinand I. vorführen wollte. Schließlich ging er aber nach London, unterbreitete seine Erfindung, installierte seine Maschinen und hatte wie der französische Erfinder nur Rückschläge. Aus Verzweiflung stürzte er sich in selbstmörderischer Absicht in die Themse, wurde aber gerettet, um den Rest seines Lebens in einer Zelle im Tower zu London zu verbringen. Der vierte Erfinder war schließlich Jakob Stampfer, der seit 1561 Münzmeister in Zürich war und dort seine Maschine mit großem Erfolg eingesetzt hatte. 1563 wurde eine solche nach Hall gebracht, wo sie allerdings nicht zu überzeugen vermochte. Stampfer zog sich zurück und konnte seine Maschinen Egnolf von Rappoltstein, einem Bergwerksunternehmer im Elsaß, verkaufen.

Ein weiterer Erfinder war Rudolf von Rohrdorf aus dem Bodenseeraum. Für die Installierung seiner Maschinen in Hall hätte er eine große Belohnung und das Privileg zum alleinigen Verkauf solcher Maschinen erhalten sollen. 1564 traf die Maschine in Innsbruck ein und wurde in der Hofmühle aufgestellt, konnte allerdings nie richtig in Verwendung genommen werden. Rohrdorf selbst hatte sich nach Frankreich abgesetzt, wo er 1570 in Lyon starb. Nun meldete sich der Züricher Erfinder Hans Vogler, dem es in monatelanger Arbeit gelang, die Maschinen funktionsfähig zu machen. Am 31. Mai 1566 erfolgte die erste Probeprägung. Der seit 1564 in Tirol regierende Erzherzog Ferdinand II. brachte der Erfindung großes Interesse entgegen und tat alles daran, daß ab 1567 die reguläre Münzprägung mit der Walzenprägemaschine aufgenommen werden konnte.

Die neue Prägemethode, auch Walzenprägung genannt, revolutionierte in den kommenden Jahrzehnten nicht nur das Tiroler sondern auch das europäische Münzwesen. War man in Hall bisher in der Lage, jährlich etwa 600.000 Münzen zu prägen, so konnte man den Ausstoß nun auf ein Vielfaches erhöhen. Erstmals war also mit den Walzenprägemaschinen die Wasserkraft für die Münzprägung nutzbar gemacht worden. Weniger Personal und gleichzeitig höhere Produktivität senkten die Prägekosten beträchtlich. Der Erfinder Vogler bekam aber in Tirol nicht die entsprechende Würdigung. Er verließ enttäuscht Tirol und versuchte sein Glück in Salzburg, Wien, Elsaß, Konstanz, Kremnitz und schließlich Warschau, wo er im Jahre 1591 völlig verarmt starb. Den technischen Vorsprung der Haller Münzstätte und die Erfahrung seiner dortigen Münzbeamten mußte Herzog Ferdinand II. aus politischen Gründen auch verbündeten und verwandten Herrscherhäusern zur Verfügung stellen. Bereits 1577 hatte Ferrara (Italien) technische Unterstützung bei der Modernisierung seiner Münzstätte erhalten. 1593 war man Mantua (Italien) bei der Einführung moderner Prägemethoden behilflich. Auch die Schweizer Münzstätten Luzern und Schaffhausen wurden 1596 bzw. 1598 mit technischem Know-how aus Hall versorgt.

Zum Herrschaftsgebiet, welches Erzherzog Ferdinand II. 1564 übernommen hatte, gehörten auch die Vorderösterreichischen Länder. Bereits 1563/1564 war der Versuch einer habsburgischen Münzstätte in Thann (Elsaß) unternommen worden. Ab 1573 begannen die Planungen zur Errichtung einer Münzstätte in Ensisheim im Oberelsaß. Planung, Bau der Maschinen, Errichtung des Gebäudes und Organisierung der Silberlieferungen standen ganz in der Verantwortung des Haller Münzmeisters Jakob Bertolf, der 1564 aus Aachen nach Hall berufen worden war. 1584 eröffnete die Münzstätte Ensisheim ihre Pforten. Sie war während der gesamten Zeit ihres Bestehens bis 1632/1634 immer nur eine Filiale von Hall.

Die erste Münzstätte, die von Hall mit Walzenprägemaschinen ausgestattet wurde, war aber nicht Ensisheim, sondern Segovia in Spanien. Bereits 1580 hatte ein spanischer Gesandter, der Herzog von Terranuova, die Münzstätte Hall besucht und war von den Prägemaschinen beeindruckt. Auf Grund seines Berichtes und auf Vermittlung von Hans Khevenhüller, der seit 1566 Gesandter des Kaisers in Spanien war, war es zum Plan eines Walzenprägewerkes für Spanien gekommen. Khevenhüller stellte dafür eigens seinen Untergebenen Gregor Gerlin von Halbenstein zur Verfügung, der laut Eintragung im Tagebuch des Gesandten am 21. Jänner 1581 in dieser Angelegenheit nach Tirol zu Erzherzog Ferdinand II. gesandt wurde. Bereits im Mai war Gerlin von seiner Mission in Innsbruck zurück und wurde von Khevenhüller sofort zum spanischen König Philipp II. nach Lissabon geschickt. Die Anfertigung der neuen Maschinen konnte jedoch nur in Hall selbst erfolgen.

Gregor Gerlin mußte deshalb bald wieder nach Tirol und dem Bau der instrumento de┤labrar moneda beiwohnen, während spanische Handwerker in der Zwischenzeit ein geeignetes Münzhaus in Spanien vorbereiten sollten. Um Schwierigkeiten mit den in beiden Ländern verschiedenen Längenmaßen zu vermeiden, einigte man sich auf das pie Castellano. Nach Regelung dieser Fragen reiste Gerlin wieder nach Tirol. Anfang des Jahres 1582 erhielt der Haller Münzmeister Jakob Bertolf den Auftrag, die Prägemaschinen für die Spanische Krone bauen zu lassen.

Da die Walzenprägemaschinen nur von speziell ausgebildetem Personal bedient werden konnten, mußte man in Tirol auch diese Frage lösen. Dies war deshalb ein Problem, weil zugleich auch die Ensisheimer Münzstätte Personal brauchte. Joachim Linggahöl wurde auf Bitten seines bei der Regierung in Innsbruck beschäftigten Vaters zur Ausbildung in Hall aufgenommen und war zunächst als Wardein oder Münzmeister für Ensisheim vorgesehen. Eine Reihe weiterer Münzergesellen wurde durch Eid verpflichtet, bei Bedarf in die ihnen zugeteilte Münzstätte Ensisheim oder Segovia zu gehen. Linggahöl und der Münzwerkregierer Martin Faigl, beide ursprünglich für Ensisheim bestimmt, wurden schließlich dem Personal für die spanische Münzstätte zugeteilt.

Wegen des gleichzeitigen Baues der Ensisheimer Maschinen waren die Prägemaschinen für Segovia erst nach einem Jahr fertiggestellt. Am 3. Februar 1583 konnte der Haller Münzmeister melden, daß das Münzwerk bis auf wenige Stücke fertig und versandbereit sei. Auch das notwendige Münzpersonal stand mit Joachim Linggahöl als Wardein, Martin Faigl als Münzwerkregierer, Peter Hartenpeck von Schwäbisch-Gmünd als Münzgraveur und den vier Münzergesellen Georg Greiff, Hans Griffel, Hans Schmid und Fabian Holzer bereit. Besonders Martin Faigl wurde als entscheidender Mann gerühmt: an seiner Arbeit sei am meisten gelegen. Er habe viele Jahre in Hall gearbeitet und hätte auch bei der Modernisierung anderer Münzstätten mitgearbeitet. Er sei der beste Mann, den Erzherzog Ferdinand II. der spanischen Krone zur Verfügung stellen könnte.

Das Inventar des gesamten nach Spanien zu transportierenden Eisenzeuges und der Maschinen weist ein Gesamtgewicht von über 50 Zentner auf. Interessant ist, daß┤drei Paar bereits in Hall gravierte Prägewellen für achtfache Reale (jede Walze mit fünf Stempeln) und zwei Paar gravierte Prägewellen für vierfache Reale (jede Walze mit sechs Stempeln) und ein gravierter Prägestempel für Goldkronen mitgeliefert wurden. Für die erste Zeit der Prägung waren also in Hall die Walzen graviert worden.

Im Frühjahr 1585 begann die abenteuerliche Reise der Tiroler Münzer nach Spanien, von der nur der Graveur Peter Hartenbeck nach Hall zurückkehren sollte. Der Transport führte mit Saumpferden über den Brennerpaß nach Mailand und Genua und von dort per Schiff nach Spanien. Khevenhüller notierte die Ankunft des Transportes in Barcelona in seinem Tagebuch für den 17. April 1585. Gregor Gerlin, der bisher das Unternehmen geleitet hatte, verstarb am Tage der Ankunft in Barcelona.

Khevenhüller selbst mußte nun die Installierung des Münzingeni, wie er halb deutsch, halb spanisch die Maschinen in seinem Tagebuch nennt, übernehmen, da ihm König Philipp II. die Verantwortung übertragen hatte. Am 4. Juli 1585 ritt der Botschafter in Begleitung von zwanzig Personen des spanischen Hofes, darunter namentlich genannt der berühmte Medailleur Jacomo Trezzo und Tiburtio Spanochi, nach Segovia, wo die Walzenprägung ihre Heimat finden sollte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am folgenden Tag beim Bischof von Segovia wurde unter Khevenhüllers Leitung der Aufbau der Maschinen abgeschlossen. Am Abend desselben Tages konnten im Beisein des Bischofs, der den ganzen Tag über die Arbeit mit Interesse verfolgt hatte, die ersten Münzen als Muster für den König geprägt werden. Der durch Segovia fließende Rio Eresmo lieferte die nötige Wasserkraft.

Mitte Juli berichtete Khevenhüller dem spanischen König von der erfolgreichen Inbetriebnahme. Dieser übertug die Oberaufsicht dem Bischof von Segovia, der, wie sich aus mehrerer Hinweisen erkennen läßt, den Tirolern sehr gewogen war.

Der erste Brief, den Joachim Linggahöl an Erzherzog Ferdinand II. von Tirol schrieb, war voller Optimismus. Er berichtete, daß, obzwar die Baulichkeiten etwas zu klein seien und die Wasserkraft nicht ganz entspräche, alle guter Stimmung seien, zumal die spanische Flotte mit indianischem Silber im Werte von rund 17 Millionen Gulden im Oktober eingetroffen sei. Auch andere Münzhäuser in Spanien bemühten sich deshalb um die neuen Maschinen. Spanien verfügte durch die Erwerbung der amerikanischen Kolonien plötzlich über gewaltige Edelmetallvorkommen. Schon Kaiser Karl V. (in Spanien Karl I.) hatte in Anlehnung an den Taler ein spanisches Gegenstück prägen lassen, der den Wert von acht Realen, einen Feingehalt von 14 Lot 3 Quintel und ein Gewicht von ca. 27 Gramm aufwies. In den Tiroler Quellen dieser Zeit wird diese Münze nur Real genannt. Auch in den Kolonien wurden Münzstätten errichtet, so etwa in Mexiko, Lima und Potosi, wo das sogenannte Schiffsgeld geprägt wurde. Besonders Potosi erlebte nach 1545 einen gewaltigen Aufschwung. Potosi in Bolivien ist deshalb von besonderem Interesse, weil auch dort Walzenprägemaschinen, allerdings durch Pferde- und nicht durch Wasserkraft getrieben, errichtet wurden. Die dortigen Maschinen sind als einzige ihrer Art bis zum heutigen Tage erhalten.

Das Walzenprägewerk von Segovia konnte bereits in der ersten Zeit des Einsatzes seinen großen Nutzen unter Beweis stellen. Das erregte natürlich den Neid der spanischen Münzer, so daß allmählich eine ernste Bedrohung der Tirolert daraus erwuchs. Erzherzog Ferdinand II. verlieh in einem Brief an Khevenhüller seiner Besorgnis darüber Ausdruck, indem er ihn bat, seine Deutschen besonders zu beschützen. Trotz aller Mißlichkeiten ging die Arbeit in Segovia unter den Tirolern zügig voran. 1586 war der deutsche Medailleur Hans Beltha zum Münzmeister bestellt worden und übte dieses Amt bis zu seinem Tode 1604 aus. Die Hauptlast der Arbeit lastete aber weiterhin auf den Tirolern. Der spanische König, erfreut über die Erfolge, wollte dem Gesandten Khevenhüller 10.000 Dukaten als Belohnung schenken, dieser lehnte jedoch ab und notierte in seinem Tagebuch, daß er durch dieses Geschenk ohnehin kaum nennenswert reicher geworden wäre.

Vom Ende des Jahres 1585 bis zu Beginn des Jahres 1587 waren in Segovia insgesamt rund 81.000 Gewichtsmark (= ca. 20 Tonnen) verprägt worden, im Jahre 1587 allein sollten rund 20 Tonnen Silber verarbeitet werden. Da diese Menge und die zu erwartende Steigerung der Menge durch das bisherige Münzwerk kaum mehr bewältigt werden konnte, erteilte der spanische Kölnig den Auftrag, das Münzhaus zu erweitern.

Das Eintreffen der spanischen Silberflotte war jedesmal ein besonderes Ereignis. Linggahöl berichtete an Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, daß dann das Silber haufenweise vorhanden sein. 1587 nahm der spanische König das Eintreffen des Silbers in Segovia zum Anlaß, die Münzstätte zu besichtigen. Insgesamt wurden rund 25 Tonnen Silber, das von den Indias de Peru stammte, angeliefert. Linggahöl berichtete, daß sich in Begleitung des spanischen Königs dessen Schwester und seine beiden Kinder befanden. Der Besuch dauerte über drei Stunden. Auch der Botschafter Khevenhüller war zugegen.

Der Besuch des Königs dürfte den endgültigen Ausbau der Münzstätte nach 1588 bewirkt haben. Allein der Saal, in dem acht Personen nur mit dem Ausstanzen der Münzen aus den Silberstreifen beschäftigt waren, sollte auf 24 x 9 Meter erweitert werden. Weiters sollte eine eigene Silberschmelze gebaut und weitere Prägemaschinen aufgestellt werden. Als Folge dieses Ausbaues wurde festgelegt, daß das Großgeld künftig nur mehr in Segovia, das Kleingeld jedoch in anderen Münzstätten wie Sevilla oder Madrid geprägt werden sollte. 1590 war der Ausbau abgeschlossen. Die Münzstätte verfügte nun über zehn Wasserräder und konnte täglich über 3000 Gewichtsmark Silber verarbeiten. Durch 50 Arbeiter, darunter zwölf Deutsche, wurde täglich soviel verarbeitet, wie beispielsweise in der Münzstätte Sevilla nur mit 400 Personen bewältigt hätte werden können. Allerdings war die Anwesenheit der Tiroler Spezialisten notwendig, da die spanischen Münzergesellen so ungeschickt waren, daß die Maschinen - wie Linggahöl berichtete - in einer Woche unbrauchbar gewesen wären. Deshalb blieben die Haller Münzarbeiter auch länger als vorgesehen in Segovia.

Bereits einige Jahre vorher war ein Ereignis eingetreten, daß einen entscheidenden Einschnitt in der Entwicklung Spaniens mit sich brachte. Waren während der Ehe des spanischen Königs mit Maria von England die beiden Länder verbündet, so entwickelte sich ab 1558 ein Konkurrenzkampf, der schließlich nach 30 Jahren mit der Niederlage der spanischen Armada die Entscheidung zugunsten Englands brachte. Damit hatte Spanien den Höhepunkt seiner Macht überschritten.

Diese weltpolitischen Ereignisse beeinträchtigten anfänglich den Betrieb bzw. die Silberanlieferung für die Münzstätte Segovia nicht zu sehr, wenn auch in den Briefen Linggahöls immer wieder die Rede ist, daß die spanische Silberflotte von den Engländern angegriffen und gekapert werden könnte. Das Ende der Tiroler ─ra der Münzstätte Segovia kam relativ plötzlich. 1592 starben Joachim Linggahöl und Martin Faigl unter nicht ganz geklärten Umständen. Der Graveur Hartenbeck kehrte nach Hall zurück, wo er von 1595 bis 1616 tätig war.

Als nach dem Tode Erzherzog Ferdinands II. von Tirol 1595 Kaiser Rudolf II. die Regierungsgeschäfte in Tirol übernahm, wurden auch noch andere Münzstätten von Haller Münzbeamten modernisiert, so etwa Kremnitz, Schemnitz und Graz. Bis um etwa 1600 verfügten alle bedeutenden Münzstätten Europas über Prägemaschinen, wobei bei der Modernisierung und Einrichtung mit Walzenprägemaschinen die Münzstätte Hall bei einer nicht geringen Zahl beteiligt war.

Die Einführung der maschinellen Prägung bedeutete eine enorme Steigerung der Produktivität, die durch die Ausbeute der Tiroler Bergwerke nicht mehr gedeckt werden konnte. Als man 1577 auch noch mit einer neuen Münzordnung eine gewinnträchtigere Prägung ermöglichte, indem der Wert des Talers mit dem jeweiligen Silberkurs gekoppelt wurde, war die Basis dafür geschaffen, Handelshäusern und Banken die Prägemaschinen zur Verfügung zu stellen. Gegen Bezahlung einer bestimmten Summe konnten diese ihr Silber in Taler verprägen lassen. Der Reingewinn für die Münzstätte bzw. den Landesfürsten lag bei etwa 1-2 Prozent. Auf diese Weise wurden in Hall jährlich bis zu 25 Tonnen großteils ausländisches Silber verprägt. Das Silber der Kaufleute stammte zum überwiegenden Teil aus Spanien. Spanien war nämlich auf den Import von Waren angewiesen, da das rein agrarisch ausgerichtete Land den Bedarf an nichtagrarischen Gütern nicht selbst decken konnte. Die Importe wurden mit dem Silber aus den Kolonien bezahlt. Auf diese Weise kam es zu einem gesteigerten Abfluß von spanischem Silbergeld bzw. auch von Rohsilber. Das führte schließlich soweit, daß Spanien sich mit Kupfermünzen behelfen mußte, während Silbermünzen und Rohsilber ins Ausland abflossen. Der spanische Dichter Francisco Gomez de Quevedo Y Villegas (1580-1645) prangerte diese Mißstände in einem Pamphlet an: Ein mächtiger Edelmann ist der Herr Silber. Er ist in Amerika geboren mit Ehren bedeckt, die Welt begleitet ihn dort. Er kommt zum Sterben nach Spanien, in Genua wird er begraben. Hall spielte eine nicht unbedeutende Rolle bei dieser europäischen Wirtschaftsentwicklung. Den Höhepunkt dieser Entwicklung erreichte man 1596, als man rund 28 Tonnen Silber, davon 22 Tonnen spanisches Silber, in Hall verprägte.

Zu den Hauptabsatzgebieten gehörten Oberitalien und die Apenninenhalbinsel, von wo die Tiroler Taler in die Levante exportiert wurden. Zahlreiche Münzstätten dieses Gebietes versuchten die Tiroler Taler nachzuahmen und es wurden zahlreiche Imitationen des Talero in Umlauf gebracht. Zentren dieser Münzstätten waren Piemont, Ligurien, die Emilia und die Toskana. Auch in der Levante selbst wurden die Tiroler Taler nachgeahmt bzw. gefälscht. Der Ausbruch des 30jährigen Krieges (1618-1648) bedeutete das abrupte Ende dieser Entwicklung. Der Taler verlor an Bedeutung, da seine Prägung weitgehend unrentabel geworden war. Damit endeten auch die Beziehungen der Münzstätte Hall zu Spanien bzw. zum spanischen Silber.

Literatur:

Heinz Moser, Die Anfänge der Walzenprägung in Tirol, in: Haller Münzblätter,
Band I, Heft 10/11, Hall in Tirol 1974

Heinz Moser/Heinz Tursky, Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665, Hall in
Tirol 1977 (dort ein Artikel über die Münzstätte Segovia 1585-1592, S.
314-319)

Heinz Moser/Heinz Tursky, Die Münzstätte Hall in Tirol 1665-1809, Hall in
Tirol 1981

Heinz Moser/Helmut Rizzolli/Heinz Tursky, Tiroler Münzbuch, Innsbruck 1984

Heinz Moser/Heinz Tursky, Corpus nummorum Tirolensium - Die Münzen Kaiser
Rudolfs II. aus der Münzstätte Hall in Tirol 1602-1612, Hall in Tirol 1986

Heinz Moser, Die Münzstätte Hall in Tirol und ihre Bedeutung für Europa, in:
Haller Münzblätter, Band V, Heft 10/11, Hall in Tirol 1991

 

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